Es klingt so einfach: Ärmel hochkrempeln und Auf geht’s in die Sitzung! Schließlich kennen wir unser Ziel: Gemeinschaftliches Wohnen und heiteres Miteinander.

Stattdessen gibt es Phasen voller Rückschritte. Es passiert wahnsinnig viel und nix geht vorwärts.

Deswegen gibt es hier und heute die Anregungen, wie es besser laufen könnte:

Wahrscheinlich gibt es einen regelmässigen Termin für die Arbeitstreffen, der in der örtlichen Tageszeitung brav angekündigt wird und damit auch Neue anlockt, die dann aufmerksam in der Runde sitzen. Die “Alten Hasen” registirieren zufrieden, dass die Initiative wächst und quasseln munter drauflos.

Und damit wären wir bereits beim ersten Stolperstein:

Damit neue Interessierte eine Chance haben, Zugang zur Gruppe zu finden, muss jemand sie begrüßen. Erfahrungsgemäß klappt das nicht von allein.


 

Arbeitshilfe 1

Das Amt des Concierge

Die Besucher sollten informiert werden über bereits Erreichtes, eine Mappe mit dem Stand der Dinge ist hilfreich.


 

Arbeitshilfe 2

Der Partner bzw. die Partnerin

Gebt ihnen einen Paten an die Hand, der für sie außerhalb der Treffen erreichbar ist und Fragen beantwortet in der Eingangsphase. Mal sind das nur ein paar Wochen, manche Neulinge brauchen länger.


 

Arbeitshilfe 3

Benutzt Namensschilder

Ja, sie sind alle eher häßlich. Aber sie erleichtern den Dialog ungemein. Und eine der ersten Gemeinschaftsaktionen könnte es sein, dieses Hilfsmittel wiederverwendbar zu gestalten.


 

Arbeitshilfe 4

Teilnehmerliste erstellen

Mit Telefonnummer und email-Adresse. Das gibt es schon? Dachte ich mir. Aber wahrscheinlich liegt sie unschuldig in einer Mappe, oder? Womöglich verstaubt sie im Posteingang des Emailprogramms. Was nützt die Liste, wenn sie nicht ausgedruckt neben dem Telefon liegt? Für den überwiegenden Teil der Menschheit ist telefonieren immer noch wesentlich einfacher als twittern.

Protokollführer. Sollte am Anfang jedes Treffens bestimmt werden –  jedesmal die begehrteste Aufgabe von allen. Und warum? Weil es für Viele ein Mysterium darstellt. Deshalb rate ich zu


 

Arbeitshilfe 5

Der tabellarische Protokoll-Vordruck

Die Themen bekommen ein Stichwort und fortlaufend wird bei jedem Treffen mit neuen Ergebnissen ergänzt. Und zwar in knappen Worten. Protokolle sind dazu da um Nichtanwesende zu informieren oder im Rückblick über bereits getroffene Entscheidungen Auskunft zu geben. Keine Kurzgeschichtensammlung.

Jedem Treffen sollte ein Thema gegeben werden. Und eine ergänzende Tagesordnung für die Struktur. Damit fällt es auch leichter, innerhalb von zwei bis drei Stunden tatsächlich alles zu erledigen. Das klingt so selbstverständlich? Ja, richtig. Es setzt jedoch voraus, dass es jemanden gibt, der sich dafür verantwortlich fühlt. Der für das Thema des Tages einen Referenten besorgt. Oder sich selbst um die notwendigen Unterlagen kümmert.

Damit wären wir bei der Frage: Wer übernimmt denn beim nächsten Treffen die Moderation? Es war schon schwierig genug, einen Protokollführer zu finden. Bei dieser Frage ist endgültig die Luft raus. Nun könnte man sich ja externe Moderation gönnen – aber damit warten die meisten Gruppen, bis es gekracht hat. Gut, nehmen wir mal an, es findet sich ein gutmütiger Mensch der im Sinne erfolgreicher Projektentwicklung sagt: ok. das nächste Treffen organisiere ich! Dann galoppiert er mit Glück in den nächsten 2 – 4 Wochen bis zum nächsten Treffen los und versucht, das Thema aufzubereiten. Oder:


 

Arbeitshilfe 6

Der Jahresplaner

Die Gruppe füllt ihn gemeinsam mit Themen. Dann hat jeder, der sich für ein Gebiet begeistern kann, ausreichend Zeit um Materialien und Impulse zu sammeln.


 

Arbeitshilfe 7

Eine perfekte Ergänzung

ist die Einbindung von zurückhaltenden Mitgliedern der Gruppe: Ein paar Menschen sind zwar regelmäßig anwesend, aber mit aktiven Beiträgen treten sie quasi nicht in Erscheinung, bescheiden halten sie sich im Hintergrund. Jetzt ist es wichtig, sie  bewußt in die Initiative zu integrieren. Und zwar mit einfachen Aufgaben: Schlüsseldienst für den Materialschrank, Kekse für das nächste Treffen, Protokolle verteilen an die, die keinen Internetzugang haben zum Beispiel.


 

… und welche Arbeitshilfe fällt Dir noch ein?

Diese Liste zeigt die Arbeitshilfen, die sich in meiner langjährigen Arbeit in Wohnprojektgruppen als absolut unverzichtbar herausgestellt haben. Aber vielleicht fallen dir noch ganz andere Arbeitshilfen ein? Gibt es in deiner Projektgruppe andere Tools und Hilfen? Dann lass es mich wissen. Gerne in einem Kommentar gleich hier unter dem Posting. Oder einfach per E-Mail an mich.


 

Astrid Engel

Dipl. Ing. (FH) Architektin bei Quartierplaner
Ich bin selbständige Architektin und Quartierplanerin. In meiner Arbeit befasse ich mich mit Wohnprojekten und Mehrgenerationenhäusern. Ich nenne sie Nachbarschaftshäuser. Denn das ist für mich der zentrale Punkt, wenn es um neue, zeitgemäße Formen des Wohnens im 21. Jahrhundert geht: Raum zu schaffen für Individualität ebenso wie für nachbarschaftliches Miteinander. Wenn Sie Fragen dazu haben: Schreiben Sie mir an astrid.engel@nachbarschaftshaeuser.de. Ich freue mich darauf!
Astrid Engel