Am besten lernt es sich aus den Fehlern der Anderen.

Also besucht man bereits bewohnte Nachbarschaftshäuser und verbringt damit gleichzeitig einen gemeinsamen bunten Nachmittag als Initiative. Das macht Spass und bringt eine tolle Abwechslung in die Arbeitstreffen.

Allerdings fällt mir auf, daß ich noch nie eine wirklich vorbereitete Exkursion erlebt habe. Vorbereitet im Sinne eines Fragenkatalogs.

Egal, in welchem Stadium sich die neue Wohnprojektgemeinschaft befindet: Gruppenfindung – Grundstückssuche – Investorengespräche – Konzeptentwicklung oder oder oder… Es sind immer neue Fragen, die auftauchen und die “die alten Hasen” sicher gut beantworten könnten. Meist fallen die interessanten Fragen erst dann ein, wenn man beim nächsten Arbeitstreffen zusammensitzt und dem Bericht über die Exkursion zuhört.

Aus diesem Grund habe ich eine Checkliste zusammengestellt, damit es zukünftig etwas einfacher ist.

Aller Anfang ist schwer:

  • Wie waren die Anfänge? Was hat die Gründung der Baugruppe ausgelöst?
  • Wie war die Kerngruppe organisiert?
  • Wieviel Geld haben die Gründungsmitglieder privat investiert? Wie kann das vertraglich geregelt werden?
  • Sind diese Menschen nun auch Bewohner des Projektes?
  • Wurden Spenden eingesammelt?
  • Wer oder was war die größte Unterstützung in der Orientierungsphase?
  • Wie wurden Entscheidungen getroffen? Im Konsens oder mehrheitlich?
  • Wie wurden Neue integriert?
  • Gab es Hilfe bei der Standortsuche?
  • Wurde Moderation in Anspruch genommen?

Jetzt wird gewohnt:

  • Was bezahlen Sie pro qm-Wohnfläche? Und was pro qm-Gemeinschaftsfläche? Wie hoch sind die Nebenkosten für gemeinschaftliche genutzte Flächen? Falls es sozial geförderten Wohnraum gibt: Wie werden die Gemeinschaftskosten auf diese Wohnungen umgelegt?
  • Wie wird die Suche nach neuen Mietern organisiert? Gibt es ein “casting”? Wer entscheidet? Und in welchem Prozess?
  • Wie wird die “soziale Kontrolle” kontrolliert?
  • Wie wird mit problematischen Nachbarn umgegangen? Wer trägt das finanzielle Risiko für Mietausfall?
  • Gibt es ein Gästeappartment? Wie wird es verwaltet?
  • Welche Abstellmöglichkeiten gibt es auf dem Grundstück? Ist das zufriedenstellend gelöst?
  • Gibt es Solidarkapital?

Und wie gehts weiter:

  • Welche Fehler hätte man sich sparen können?
  • Werden Rituale gepflegt?
  • Was fehlt?
  • Was ist der größte persänliche Gewinn für jeden Einzelnen, seit das Projekt bewohnt wird?
  • Wird Öffentlichkeitsarbeit gepflegt? Gab es dafür zu Beginn professionelle Unterstützung?
  • Gibt es häufig Besuch von neuen Initiativen? Wer kümmert sich darum?
  • Haben sich in der Zwischenzeit weitere Projekte in der Stadt gegründet?

 

Gibt es Anregungen oder Ergänzungen? Her damit!

 

Astrid Engel

Dipl. Ing. (FH) Architektin bei Quartierplaner
Ich bin selbständige Architektin und Quartierplanerin. In meiner Arbeit befasse ich mich mit Wohnprojekten und Mehrgenerationenhäusern. Ich nenne sie Nachbarschaftshäuser. Denn das ist für mich der zentrale Punkt, wenn es um neue, zeitgemäße Formen des Wohnens im 21. Jahrhundert geht: Raum zu schaffen für Individualität ebenso wie für nachbarschaftliches Miteinander. Wenn Sie Fragen dazu haben: Schreiben Sie mir an astrid.engel@nachbarschaftshaeuser.de. Ich freue mich darauf!
Astrid Engel